Für seine Ausstellung mit dem Titel „Kiss and Fly“ in der „Lido im Malkasten (Bar)“ hat Paul Schwer ein besonderes Konzept erarbeitet. Es fasst die wichtigen Themen, mit denen er sich in seinem Werk auseinandersetzt, zusammen, und es spielt mit dem Namen des Ortes sowie mit den typischen Elementen der Bar.

Für Paul Schwer sind Farbe, Licht und Raum Grundelemente seines künstlerischen Denkens. Begonnen hat er als Maler: Er studierte Malerei an der Düsseldorfer Kunstakademie, allerdings in der Klasse des Bildhauers Erwin Herrich. Er ging vom klassischen Tafelbild aus und überführte es ins Dreidimensionale, schuf Installationen und trug so die Farbe in den Raum. Wie der ehemalige Direktor des Bonner Kunstmuseums, Stephan Berg, schreibt, hat Paul Schwer das „Bedürfnis, das Bild von der Leinwand, der Fläche, der Wand zu lösen und zu einer räumlich erlebbaren, begehbaren Erfahrung zu machen (das Bild also gewissermaßen welthaltiger zu machen)“.

Betritt man die „Lido im Malkasten (Bar)“, steht man einem großer Bartresen gegenüber und ist umgeben von dunkelblau gestrichenen Wänden. Der Raum wird nur indirekt beleuchtet. Paul Schwer platziert Leuchtkästen an den Wänden, die ebenfalls nicht gleichmäßig beleuchtet sind und zitiert damit die diffuse Lichtstimmung – und zugleich seine eigene Ausstellung im Rohbau eines Ladenlokals in der Shoppingmall des Düsseldorfer Flughafens 2024. Auf den Folien in den Leuchtkästen sind – wenn auch stark verpixelt – Motive von Badenden zu sehen, man kann einen Sonnenschirm identifizieren sowie Liegenstühle und zwei Personen, die sich küssen. Motive, bei denen man unwillkürlich an Sonne, Strand und Meer denken muss. An Cocktails an einer Bar in der Abendsonne, am Lido in Italien vielleicht? Für Paul Schwer ergab sich eine Assoziationskette, die keine anderen Werke für diese Ausstellung in Frage kommen ließen. Es sind Sehnsuchtsmotive. Es ist „Kiss and Fly“. Doch sind seine Leuchtkästen keine Reklametafeln für einen Pauschalurlaub. Ihre Korpusse sind roh belassen, bestehen aus U-Profilen aus dem Trockenbau. In sie eingesetzt sind Siebdrucke, die stark verpixelt sind, und transluzente Backlightfolien. Bei den „Bildern“ handelt es sich um austarierte Farbkompositionen, in denen sich Paul Schwer mit den Themen Farbe, Licht und Transparenz auseinandersetzt.

Ergänzt wird die Installation von Wandreliefs, die wirken, als ob ein Windstoß das Bild erfasst und mit dem Rahmen so verdreht hätte, als würde es wegfliegen. 

Text: Beate Kolodziej